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Industriewasser

42. Bundes-Immissionsschutzgesetz

Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider werden in Zukunft besser überwacht

Überall, wo warmes Wasser gespeichert wird lauern Legionellen – ob in Wasserleitungen, Klimaanlagen oder in Schwimmbädern. Einige wenige dieser Bakterien können ausreichen, um eine schwere Lungenentzündung zu verursachen. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl der Erkrankungen in Deutschland auf etwa 6.000 bis 10.000 Fälle pro Jahr. Die Hochrechnung von CAPNETZ (Kompetenznetz Ambulant Erworbene Pneumonie) geht sogar von 15.000 bis 30.000 nicht im Krankenhaus erworbenen Pneumonien pro Jahr aus. Damit wären 4 % der Lungenentzündungen in Deutschland, die nicht in Krankenhäusern erworben wurden auf eine Legionellen-Infektion zurück zu führen. Die Sterblichkeit wird dabei auf bis zu 10 % geschätzt. Man muss also von rund 3.000 Todesfällen pro Jahr ausgehen. Das entspricht annähernd der Anzahl an Verkehrstoten pro Jahr in Deutschland.

Bundeskabinett verabschiedet neue Legionellenverordnung
Um die Gefahr solcher Legionellen-Ausbrüche wie beispielsweise zuletzt in Bremen oder Warstein zu minimieren, hat das Bundeskabinett am 23. März 2017 eine neue Legionellenverordnung beschlossen. Nach der 42. BImSchV sollen Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider jetzt besser überwacht werden. Dabei stützt sich die Verordnung in weiten Teilen auf die Richtlinie VDI 2047 Blatt 2. Die Verordnung soll am 12. Mai 2017 vom Bundesrat verabschiedet werden und bereits vier Wochen später in Kraft treten.

Anzeigenpflicht für neue und bestehende Anlagen
Nach dem Entwurf der 42. BImSchV gibt es jetzt konkrete Vorgaben für einen hygienisch einwandfreien Betrieb von Verdunstungskühlanlagen, Kühltürmen und Nassabscheidern.
Unter anderem sieht die Verordnung eine Anzeigenpflicht für alle neuen und bestehenden Anlagen vor. Im Falle eines Legionellenausbruchs können die lokalen Behörden so den Austragungsort schneller und effektiver lokalisieren. Das ist immens wichtig. Denn im Ernstfall zählt jede Sekunde. Eindämmung hat hier Vorrang vor Ursachenforschung und Haftungsfragen. Und nur wenn die Ausbruchsquellen schnell identifiziert werden, können die Betreiber zum Biozid-Einsatz aufgefordert werden.

Die Gefahr lauert praktisch überall
Wasser wird in vielen technischen Prozessen, wie in Rechenzentren oder in der Lebensmittelproduktion zur Kühlung verwendet. Die Zahl der hierfür notwendigen Verdunstungskühlanlagen wird in Deutschland auf rund 50.000 geschätzt. Sie bergen das Risiko, zur Quelle von Legionellen-Infektionen zu werden. Denn das umlaufende Wasser hat eine für die Vermehrung dieser Bakterien optimale Temperatur und bietet aufgrund seines Kontakts mit der Atmosphäre ein reiches Nahrungsangebot.
Die Gefahren und die gesundheitsschädlichen Wirkungen von Legionellen werden in der Richtlinie VDI 2047 und erweitert in der VDI 4250 Blatt 2 beschrieben. An einer Richtlinie zum Ausbruchsmanagement wird von Seiten des VDI ebenfalls bereits gearbeitet.

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